Ich passe nicht in meine Familie

„Meine Familie besteht aus zwei Eltern und drei Kindern. Wir sind zwei Jungen und ein Mädchen. Das Mädchen bin ich. Ich selbst habe einen Zwillingsbruder.

Seit meiner Geburt mochte mein 2 Jahre und 9 Monate älterer Bruder mich nicht leiden. Wiederholt sagte er: „Die will ich nicht.“ Als ich mal schlief (ich war gerade ein paar Monate alt) versuchte er, mich zu ersticken, indem er ein Kopfkissen auf mein Gesicht drückte. Gott sei Dank hatte meine Mutter das bemerkt. Diese seine Ablehnung besteht bis heute. Ich bin inzwischen 58 Jahre alt und mein ältester Bruder 61. Er und ich konnten NIE friedlich miteinander spielen. Ständig gab es Streit, in dem er mir auch körperliche Gewalt antat, um seinen Willen durchzusetzen. So manches Mal musste meine Mutter einschreiten, um zu verhindern, dass er mich grün und blau schlug.  Mit meinem Zwillingsbruder kam er dagegen sehr gut aus. Wenn dieser mit meinem ältesten Bruder spielte, gab er ihm gegenüber ständig nach, reagierte also sehr diplomatisch und ruhig. Ich selbst war die Schwester, die sich dem ältesten Bruder widersetzte und sich nicht alles gefallen ließ. Die zwei Jungen zusammen, ging gut, mein Zwillingsbruder und ich zusammen, ging auch gut, aber sobald mein ältester Bruder dazu kam, dauerte es nur Minuten, bis wir uns heftig stritten.

Hinzu kam, dass ich als Fahrradfahrerin mit 6 Jahren einen schweren Autounfall hatte. Mit großem Glück überlebte ich ihn. Aber fortan galt ich in der Familie als nicht mehr normal, weil die Ärzte damals noch nicht sagen konnten, ob evtl. geistige Störungen zurückbleiben (Ich bin heute Gymnasiallehrerin). Wann auch immer ich nun Fragen stellte, die meine Familie als nicht relevant hielten, hieß es z.B.: „Ach, du bist ja sowieso doof. Du hast ja durch den Unfall eh einen Schaden.“ Oder: „Man, denk doch mal nach, aber das kannst du wohl scheinbar nicht mehr.“ Oder ich wurde ständig unterbrochen, wenn ich mich an Gesprächen beteiligen wollte. Da hieß es dann z.B.: „Ach, halt dich doch da raus. Was du sagst, interessiert hier sowieso keinen.“ Mein Vater hatte die Angewohnheit, mir mit dem Arm  „abzuwinken“, wenn ich etwas sagen wollte. Ständig wurde ich auch von meinen Eltern kritisiert und hier vornehmlich von meiner Mutter. Nichts konnte ich ihr recht machen. So gab es auch zwischen uns permanent Streit, Zurechtweisungen, Kritik, Bevormundungen und anderes mehr. Nun kam ebenfalls noch hinzu, dass mein Zwillingsbruder in der Schule besser war als ich. Also wurden stets die Zeugnisse miteinander verglichen und ich hörte jedes Mal demütigende, abwertende Kommentare von meinen Eltern und meinem ältesten Bruder. Der einzige, der mich all die Jahre liebevoll behandelte, war mein Zwillingsbruder, auch wenn wir uns hier und da mal stritten. Wir beide waren wie ein untrennbares Team. Doch dann lernte er seine heutige Ehefrau kennen. Sie mochte mich so rein gar nicht. Es störte sie sehr, dass mein Zwillingsbruder und ich uns gut verstanden und immer mal wieder lange Tagestouren mit unseren Motorrädern unternahmen, während sie zu Hause war. Also machte auch sie einen Motorradführerschein und seitdem durfte ich nicht mehr mitfahren. Seine Frau und ich sind heute wie Feuer und Wasser. Ihre Ablehnung übertrug sich auch auf ihre beiden Kinder. Von klein auf wurden sie gegen mich „aufgehetzt“. Sie durften mich z.B. nicht besuchen, weil ihre Mutter das nicht wollte. Sie durften sich mir gegenüber äußerst respektlos verhalten, ohne dass sie zurechtgewiesen wurden. Und mein Zwillingsbruder konnte sich hier nicht dagegenstellen, weil seine Frau „die Hosen anhatte und hat“.

Die Ehefrau meines ältesten Bruders, hatte am Anfang ihrer Ehe meinen Bruder immer wieder ermahnt, mich nicht zu ärgern. Sie hatte ihn gut im Griff, denn auch sie „hatte und hat die Hosen an“. Wie und warum sich auch diese positive Beziehung dann doch änderte, kann ich heute gar nicht mehr sagen. Fest stand aber, dass ich mich immer wieder schikaniert, respektlos behandelt und zu Unrecht kritisiert fühlte. Oft wurden auch Witze über mich gemacht, die man scheinbar gar nicht so meinte, wie ich sie jedoch empfand. Permanent gab es diese Sticheleien oder es wurden Behauptungen über mich aufgestellt, die gar nicht zutrafen. So kam es immer öfter zu lautstarkem Streit, wenn sich die ganze Familie traf. Dies führte dann im Laufe der Jahre zu einer immer größer werdenden Distanz.  

Als ich es dann eines Tages ablehnte, für die vier Kinder meiner zwei Brüder Weihnachtsgeschenke zu kaufen (sie waren inzwischen alle im jugendlichen Alter), war der Streit riesig. Mein Argument, dass sie mich noch nicht einmal begrüßten und - vergleichbar der Erwachsenen - mich bewitzelten, sich für Geschenke nicht bedankten, mich deutlich ablehnten, weil ich in ihren Augen stank (ich rauchte damals) u.a.m., wurde von keinem akzeptiert. Zunehmend häufiger lehnte mich auch mein Zwillingsbruder nun ab. Dahinter stand seine Ehefrau, die gerne gegen mich hetzte.

Kaufte ich mir ein Auto, war es für die anderen entweder nicht gut genug oder zu groß. Neue Möbel waren ihnen nicht schön genug. Meine Wohnung war zu klein; sie hätten sich da etwas anderes ausgesucht. … Egal, worum es bei mir ging, egal, welche Entscheidung ich traf, nichts war gut genug oder fand ihre Zustimmung. Das geht bis heute so und wird sich wohl auch nicht mehr ändern.

Natürlich habe auch ich Fehler gemacht. Ich hätte mich sicherlich hier und da zurückhalten können, aber mir fehlte dazu die innere Ruhe. Ständig hatte ich das Gefühl, mich verteidigen zu müssen, was ich hasste. Und dieses Gefühl übertrug sich dann auf viele der anderen Familienmitglieder, die selbst wie eine verschworene Gemeinschaft mir gegenüber standen und stehen. Den heute einzigen, aber seltenen Kontakt, habe ich noch zu meinem Zwillingsbruder. Von allen anderen höre ich nichts mehr. 

Ellen, die mir empfohlen wurde, erzählte ich all das und vieles mehr. Geduldig, einfühlsam und verständnisvoll hörte sie mir zu und stellte auch mal Fragen, bis für sie das Gesamtbild deutlich war. An einer Flipchart erarbeiteten wir gemeinsam, was ich kann, welchen schulischen, universitären und beruflichen Weg ich gegangen war, welche Hobbys ich habe, wie mein Freundeskreis aussieht u.s.w. Dies half mir, mich wieder meiner Stärken zu besinnen und festzustellen, wie viel ich schon geleistet und auf die Beine gestellt hatte. Ich wurde richtig stolz auf mich, war ich ja nun wirklich keine Person, die sich vor wem oder was auch immer verstecken musste. Mein Selbstbewusstsein bekam einen richtig großen Aufschwung. Ich fragte mich, warum ich es überhaupt zugelassen hatte, mich von den anderen so beeinflussen zu lassen. Und genau das war einer der Punkte, um die es ging. Ich hatte als einzige studiert, bin sehr wissend, habe ein Buch geschrieben, kann mir alleine ein gutes Leben leisten und schaffe jede Hürde, die sich mir in den Weg stellt. Das wirkt auf andere mächtig, unumstößlich und muss bekämpft werden. Für mich ist dieser Zusammenhang zwar völlig absurd, denn mir ging es nie darum, z.B. mehr zu haben als andere oder besser zu sein, oder …, hier ging es darum, wie die anderen Familienmitglieder mich einstuften. Ich passte einfach nicht in ihr Denken, in ihre Wertvorstellungen, in ihre Moral oder was auch immer man sich hier denken kann. Daher mussten sie sich ständig über mich stellen, bzw. mich kleiner machen.

Bei Ellen fing ich an, mir jeden Tag fünf Dinge, Erlebnisse, Erfahrungen, … aufzuschreiben, die positiv oder schön waren. So wurde mir bewusst, wie schön mein Leben ist. Ich wurde mir und meinem Sein viel bewusster und begann, mein Leben wieder mehr zu genießen. Ellen machte mit mir Übungen, wie ich meine ständigen Gedankenkarussells stoppen konnte, was mich deutlich ruhiger werden ließ. Um mich selber mal so richtig locker zu machen, tanzten wir zur Musik. Dabei schüttelte ich sozusagen meinen ganzen Körper aus. Alle Gelenke, Muskeln, Wirbel, … wurden wieder locker. Es war so, als würde man ein Tuch ausschütteln, um es vom Staub zu befreien. Das war so wunderschön und wohltuend, dass ich es auch heute immer mal wieder mache. Auch gezielte Affirmationen, die ich mir täglich wiederholt sagte, halfen mir, mein Denken über mich selbst umzustellen. Ich ging in die Natur und nahm sie ganz bewusst war, atmete tief ein und aus, erlernte Atemtechniken, die mich wieder ruhig und den Kopf frei machten. Herrlich! Ellen brachte mir bei, wie ich überzeugt auftreten kann, wenn ich angegriffen, vorgeführt, innerlich verletzt werde. Das war beeindruckend und wurde von mir sofort übernommen. Ich legte aus unterschiedlichen Gegenständen, die alle für etwas standen, eine Art Bild über mich selbst, das wir dann besprachen. Anschließend erarbeiteten wir, wie ich was ändern kann und was dies dann wiederum in mir verändert. Ich fotografierte dieses Bild mit meinem Handy, schrieb mir alle Ergebnisse stichwortartig auf und war so in der Lage, mir diesen Prozess zu Hause immer wieder selber noch einmal deutlich zu machen. Die Wirkung war enorm.

All diese und noch viele andere Übungen wurden ergänzt durch Ellens Körpertherapie. Mit Hilfe von sanften Streichungen erlebte ich ein sehr wohltuendes Körpergefühl. Die Fußreflexzonenmassage, Magen-, Darmmassage, die LomiLomi-Massage, Kopfmassage, die Arbeit an und mit meinen Energiepunkten und anderes mehr ließen mich sehr entspannen, gaben mir ein großes Wohlgefühl, machten meine Gedanken wieder klar und richteten meinen Blick wieder nach vorne. Ich konnte endlich wieder gut ein- und durchschlafen, war morgens entspannt, hatte wieder Kraft für die alltäglichen Aufgaben und beruflichen Anforderungen, ich konnte loslassen und war ganz bei mir. Ich fühlte zunehmend mehr, was für ein wunderbarer und wertvoller Mensch ich bin, ich konnte mit aller Überzeugung „Ja“ zu mir sagen und spürte wieder meine eigene Kraft.

Das Schöne an Ellens Arbeit ist, dass nicht alles nur beredet wird und damit im Bereich der Theorie bleibt. Nein, bei ihr setzt man die Ergebnisse in praktische Übungen um, schreibt sich Ergebnisse auf, die man sich immer wieder durchlesen und bewusst machen kann und bekommt Hilfen an die Hand, die wirklich brauchbar und sehr nützlich sind. Man erwirbt ein neues Verhaltensrepertoire, das seine Wirkung nicht verfehlt. Anfangs muss man das immer wieder üben, doch im Laufe der Zeit kann man es immer besser und vor allem wie selbstverständlich abrufen. Toll! Dabei wird auch das eigene Denken umgestellt, was sich wiederum positiv auf die eigenen Emotionen auswirkt. D.h., man kann mit belastenden Situationen immer besser und souveräner umgehen, hat eine ganz andere Ausstrahlung und wird auch von den Mitmenschen entsprechend wahrgenommen.“